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Drei Fernleitungsnetzbetreiber planen 1.100 km Wasserstoffnetz bis 2025

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Autor: Magnus Schwarz

Drei Fernleitungsnetzbetreiber planen 1.100 km Wasserstoffnetz bis 2025
Das Wasserstoffnetz soll zum Großteil aus umgerüsteten Erdgas-Leitungen bestehen (Quelle: Flow)

15. Dezember 2022 | GASCADE Gastransport GmbH, ONTRAS Gastransport GmbH und terranets bw GmbH wollen mit dem Projekt Flow – making hydrogen happen ein Pipelinesystem für klimaneutralen Wasserstoff schaffen, das in drei Schritten von der Ostsee bis in den Südwesten Deutschlands verläuft.

Perspektivisch soll dieser Korridor fünf europäische Nachbarländer verbinden. Bereits jetzt sind zahlreiche assoziierte Projektpartner an Bord.

Das Ziel

„Mit dem Projekt wollen wir das Bestreben von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik vorantreiben, die eigene Energieversorgung umzustellen – und zwar nachhaltig und sicher“, sagt GASCADE-Geschäftsführer Christoph von dem Bussche.

Wasserstoff ist für die Defossilisierung ein wichtiger Baustein. Als Molekül lässt sich Wasserstoff, und damit erneuerbare Energie, in großem Stil europaweit transportieren und speichern. Damit könnte Wasserstoff eine dem Erdgas vergleichbare Rolle einnehmen.

„Mit Flow – making hydrogen happen schaffen wir die zentrale Transportinfrastruktur und sind so ein wesentlicher Baustein für das Gelingen der Energiewende“, unterstreicht von dem Bussche.

Der Plan

Die Projektpartner erwarten, dass der Norden Deutschlands das Zentrum für Wasserstoffimporte und Wasserstofferzeugung onshore wie offshore wird. Dadurch entsteht ein erheblicher Transportbedarf in Richtung Süden, wie es bereits heute bei erneuerbarem Strom der Fall ist.

Flow – making hydrogen happen wird dem gerecht: Geplant ist, 2025 erste großdimensionierte Leitungen für Wasserstofftransporte umgerüstet zu haben, sodass signifikante Mengen aus Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen transportiert werden können. Die Umstellung in Hessen und Rheinland-Pfalz soll 2028 erfolgen. Dann kann Wasserstoff ab 2030 nach Baden- Württemberg und Bayern transportiert werden.

„Gemeinsam kommen wir schnell und effizient voran“, betont terranets bw- Geschäftsführerin Katrin Flinspach.

 

„Der Vorteil von Flow – making hydrogen happen liegt in der schnellen Realisierbarkeit durch die Umstellung von Erdgasleitungen. So erreichen wir im Verbund eine große Transportkapazität von Norddeutschland bis in den Süden, auf die sich der Markt in seinen Planungen einstellen kann.“

Umstellung statt Neubau

Zum größten Teil werden die Projektpartner bestehende Erdgasleitungen umstellen. Mit einer Länge von über 1.100 km und einer Einspeisekapazität von bis zu 20 GW (abhängig vom Druckniveau) verfügt das Pipelinesystem bereits zum Start über eine große Dimension – die perspektivisch erweitert werden soll.

„Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und die Verbindung mit bestehenden Wasserstoffprojekten – wie „H2 für Baden-Württemberg“ und das ONTRAS H2-Startnetz – schaffen wir eine starke und zukunftsfähige Transportmöglichkeit für große Mengen Wasserstoff.

 

Damit tragen wir entscheidend zur Diversifikation des Energiesystems und zur Versorgungssicherheit in weiten Teilen Deutschlands bei“, erklärt ONTRAS-Geschäftsführer Ralph Bahke.

Die Perspektive

Darüber hinaus ist Flow – making hydrogen happen europäisch ausgerichtet und bietet für viele an Deutschland angrenzende Länder attraktive Anknüpfungspunkte. Die Projektpartner haben den Status eines Project of Common Interest (PCI) bei der EU beantragt.

Der Blick geht insbesondere Richtung Ostseeraum: Die mit heimischem Wasserstoff gefüllten Pipelines sind Nukleus einer europäischen Infrastruktur für Importe aus den skandinavischen Ländern und für Transite in Richtung Süden.

„Wir planen, 2027 das dänische „Energy Island“ Bornholm anzubinden und in den Jahren ab 2030 auch Österreich, Tschechien, Polen und Frankreich“, erläutert GASCADE-Geschäftsführer von dem Bussche.

Offizilles Logo der Flow-Initiative (Quelle: Flow)

(Flow/2022)

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