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Fit for 55: Europäische Union macht sich klimafit

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Autor: Redaktion

Fit for 55: Europäische Union macht sich klimafit
(Adobe Stock/Fokussiert)

15.07.2021 Die Europäische Kommission hat das Maßnahmenpaket “Fit for 55” vorgestellt, dass die geltenden Klimaregularien umbauen soll. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gesenkt werden. Insgesamt zwölf Richtlinien und Verordnungen hat die EU-Kommission beschlossen.

Die Vorschläge im Überblick:

  • Einführung eines Emissionshandels in den Sektoren Verkehr und Gebäude. Alternativen für Verbrennungsmotoren sind Fahrzeuge, die mit Wasserstoff, synthetischen Kraftstoffen oder Biokraftstoffen angetrieben werden.
  • Ausbau der E-Ladesäulen in allen europäischen Staaten
  • Umbau des Emissionshandels: Gratis-Zuteilungen von Emissionsrechten werden gekürzt, die Menge der Zertifikate wird verringert, was Preise steigen lässt.
  • Einführung eines Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism), um unfairen Wettbewerb und das Abwandern europäischer Unternehmen zu verhindern.
  • Einführung eines schrittweise steigenden Mindeststeuersatzes auf Kerosin für innereuropäische Flüge
  • Im Schiffsverkehr soll jedes Schiff, das einen europäischen Hafen anläuft, einen klimafreundlichen Kraftstoff-Mix im Tank haben.
  • Einführung eines sozialen Klimafonds, sodass jeder Bürger die Möglichkeit hat die Klimaschutzziele zu unterstützen, z.B. durch den Umstieg aufs E-Auto. Gespeist werden soll der Fonds durch die Grenzausgleichsabgabe und den Emissionshandel.

Statement von Dr. Timm Kehler, Zukunft Gas

Dr. Timm Kehler sieht Nachbesserungsbedarf beim “Fit-for-55”-Paket (Bild: Zukunft Gas)

Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas, begrüßt die Maßnahmen, sieht aber auch Verbesserungsbedarf:
„Mit dem „Fit for 55“-Paket hat die EU-Kommission die Klimaziele deutlich verschärft. Besonders wichtig ist nun, dass die ambitionierten Ziele auch industrie- und sozialverträglich in der gesamten Europäischen Union umgesetzt werden können. Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten, müssen wir jeden Bürger Europas in Sachen Klimaschutz mitnehmen. Die Verschärfung des europäischen Emissionshandels (EU-ETS) und die Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) werden die Gaswirtschaft vor neue Herausforderungen stellen, gleichzeitig aber die Transformation der Branche hin zu grünem Gas wie Wasserstoff vorantreiben.

Erfreulich: Besonders im Langstreckenverkehr wird die Notwendigkeit von Gastechnologien hervorgehoben. Der Einsatz von LNG-Antrieben (liquefied natural gas) wird als ausgereifte Technik und als einzige verfügbare Alternative zum Diesel im Schwerlastverkehr oder der Schifffahrt anerkannt. Begleitend zum Anstieg der LNG-Mobilität ist die Verdichtung der LNG-Tankstelleninfrastruktur vorgesehen. Spätestens bis zum 1. Januar 2025 sollen letzte Lücken im europäischen LNG-Tankstellennetz geschlossen werden.

Gerade in der Schifffahrt ist LNG zurzeit die einzige wirtschaftlich tragfähige und emissionsarme Technologie. Daher ist auch ein Anstieg der Betankungspunkte in Kernseehäfen geplant. Wird Bio-LNG betankt fahren Lkw und Schiffe sogar nahezu CO2-neutral.

Die aktualisierten CO2-Flottengrenzwerte für Pkw schöpfen jedoch noch nicht das gesamte Klimaschutzpotenzial aus. Erneut wird der Tank-to-Wheel-Ansatz angewendet, wobei die Emissionen lediglich am Auspuff gemessen werden. Damit werden die Potenziale von klimaneutralen Kraftstoffen, wie Bio-CNG (compressed natural gas) außer Acht gelassen. Hier muss nachgebessert werden: E-Autos die mit Kohlestrom geladen werden dürfen auf dem Papier nicht weniger CO2-Emissionen vorweisen als Pkw mit Bio-CNG. Daher schlagen wir einen Well-to-Wheel-Ansatz vor, der alle Emissionen misst. Dies hat auch Auswirkungen auf die Planung von Tankstellen: Denn der Zubau von CNG-Tankstellen wurde ausgesetzt.

Die Gaswirtschaft fordert Nachbesserungen an dem Paket, sodass allen Technologien Chancen eingeräumt werden, ihr Klimaschutzpotenzial auszuspielen. Ausschließlich zu elektrifizieren können wir uns nach wie vor weder finanziell noch aus Versorgungssicherheits- und Klimaaspekten leisten.“

 

 

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