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Stadtwerke Bielefeld investiert in wasserstoffbasierte Mobilität

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Autor: Redaktion

Stadtwerke Bielefeld investiert in wasserstoffbasierte Mobilität
Projektleiter Gerhard Sawatzky (vorne) präsentiert im Innovationspark Sektorenkopplung einen von vier neuen Wasserstoffbussen.

Die Stadtwerke Bielefeld Gruppe konkretisiert ihre Maßnahmen zum Klimaschutz: Vier Wasserstoffbusse sind bereits in Bielefeld angekommen, die dafür notwendige Tankstelle nimmt auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) Formen an und auch die Planungen für die Herstellung von eigenem grünen Wasserstoff werden weiter vorangetrieben.

Innovationspark Sektorenkopplung entsteht

Neben der MVA entsteht auf einer Fläche von rund 6.600 Quadratmetern der Innovationspark Sektorenkopplung mit Abstellhalle für die Busse, Tanks und Tankvorrichtung. Die Erprobung der Wasserstofftechnik im Busverkehr ist ein Projekt der Verkehrsbetriebe moBiel. „In die Errichtung des Betriebsgeländes mit allen erforderlichen Nebeneinrichtungen sind aber insgesamt 36 Fach- und Sachbereiche der Stadtwerke-Gruppe eingebunden“, erklärt  Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller. Auch die Unterstützung von etwa 30 Fremdfirmen dürfe nicht vergessen werden. Die Kopplung von ÖPNV, Energieversorgung und Abfallwirtschaft wird deutlich, wenn künftig mit dem in der MVA gewonnenen Strom grüner Wasserstoff für Busse produziert wird.

Wasserstoffbusse fahren ab 2022

Voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2022 werden Fahrgäste auf der Probestrecke zwischen Baderbach und Schildhof (Linie 29) in wasserstoffbetriebene Busse einsteigen können. Der portugiesische Hersteller Caetano liefert vier 12-Meter-Fahrzeuge vom Typ H2 City Gold, die in Deutschland erst seit etwa einem Jahr auf dem Markt und derzeit in der Erprobungsphase sind. An der Front tragen die Busse inzwischen das Logo des japanischen Mobilitätskonzerns Toyota, zu dem der Hersteller der Busse seit einigen Monaten gehört. Für eine Reichweite von etwa 350 bis 400 Kilometern sorgen je fünf Wasserstofftanks, die 37,5 Kilogramm Wasserstoff aufnehmen können. „Die Reichweite entspricht in etwa dem, was unsere Busse am Tag schaffen müssen“, sagt moBiel-Projektleiter Gerhard Sawatzky. Das sei ein großer Vorteil gegenüber batterie-elektrischen Bussen. Denn die vier Busse können so den ganzen Tag auf der 7,6 Kilometer langen Linie 29 im Einsatz sein, ohne dass sie zwischendurch betankt werden müssen. In der Brennstoffzelle der Busse reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff und erzeugt so während der Fahrt permanent elektrische Energie. Diese wird in der Batterie auf dem Fahrzeugdach gespeichert oder treibt direkt den 245 PS starken Elektromotor an. Schädliche Abgase entstehen dabei nicht, nur Wasserdampf. Und auch Geräuschemissionen werden stark gesenkt: Die Busse sind beinahe lautlos unterwegs. Die zweitürigen Niederflur-Fahrzeuge haben 37 Sitzplätze und bieten den Fahrgästen damit ähnlich viel Platz wie die Dieselbusse.

Zur Betankung steuern die Busse in Bielefeld den neuen Innovationspark Sektorenkopplung an. Dort sind die Tanks für 1.000 Kilogramm Wasserstoff ausgelegt und werden zunächst mit Tanklastwagen versorgt. Zunächst können etwa 100 Kilogramm Wasserstoff pro Tag getankt werden, später soll eine Betankung von 400 Kilogramm pro Tag möglich sein. Zum Vergleich: Eine normale öffentliche Wasserstofftankstelle gibt zurzeit etwa 5 Kilogramm pro Tag ab.

„Perspektivisch ist der emissionsfreie und geräuschlose Brennstoffzellenbus nur dann ein echter Beitrag zum Klimaschutz, wenn grüner Wasserstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht“, sagt SWB-Geschäftsführer Rainer Müller. Denn nur diese Variante erzeuge bei der Herstellung kein CO₂.

Ebenfalls für das Gelände der MVA laufen deshalb die Planungen für die Errichtung eines Elektrolyseurs, der Wasserstoff produzieren kann, weil er Wasser in seine Grundelemente Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. „Dabei handelt es sich um grünen Wasserstoff, weil er durch die Elektrolyse mit Strom aus der Müllverbrennungsanlage gewonnen wird und der wiederum zu mehr als 50 Prozent aus biogenen Quellen wie zum Beispiel Holz, Papier oder Pflanzen- und Speisereste stammt“, sagt Thomas Pörtner, Geschäftsführer der MVA Bielefeld-Herford GmbH. „Für das Projekt liegt inzwischen die Förderzusage des Bundesverkehrsministeriums vor. Damit wird der Elektrolyseur zu 45 Prozent finanziert werden können“, sagt MVA-Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Werne.

Förderung durch das Land NRW macht das Projekt realisierbar

Das gilt für den kompletten Innovationspark, in den für die erste Ausbaustufe insgesamt etwa 13,5 Millionen Euro investiert werden. „Nur dank der Fördermittel durch das Land NRW können die Wasserstoffbusse und die Tankstelle beschafft werden. Denn wirtschaftlich betreiben lassen sie sich noch nicht“, sagt Kai-Uwe Steinbrecher (moBiel). Die Treibstoffkosten der vier Brennstoffzellenbusse liegen pro Jahr um rund 15.000 Euro über denen von Dieselbussen. Auch die Kosten für den Betrieb und die Wartung der H2-Tanstelle werden einen spürbaren Mehraufwand verursachen. Die Kosten für die Tankstelle werden zu 90 Prozent gefördert, die Mehrkosten zu einem Euro-6-Bus mit 60 Prozent. Über die konkreten Kaufpreise von Bussen und Tankstelle ist Stillschweigen vereinbart worden.

 

(Quelle: Stadtwerke Bielefeld)

 

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